Dienstag

Angefangen haben wir am Dienstag mit einem Stuhlspiel, bei welchem uns ein Blatt gegeben wurden mit dem Auftrag, welchen wir ohne Sprache erledigen mussten. Dieses Spiel war dazu da, um uns die Gefühle der Flüchtlinge näher zu bringen, wenn man in einem fremden Land ist und kein Wort versteht.

 

Anschliessend haben wir auf Blätter aufgeschrieben, was wir alles auf eine Flucht mitnehmen würden. Angeordnet wurden die an der Wandtafel wiefolgt: Rechte Seite kurzfristig und unwichtig || Linke Seite langfristig und wichtig.

 

Nach diesem Programmteil hatten wir unsere Mittagspause.

 

Angefangen um 13:30, haben wir uns eine Dokumentation über das Flüchtlingslager in Lesbos angeschaut und unsere Meinungen in der Klasse geteilt und diskutiert.

 

Nach der Lesbos-Doku haben wir uns noch einen symbolischen Kurzfilm aus Österreich angesehen, bei welchem eine Brücke von Tunesien bis Sizilien abgebildet war, die einen sicheren Fluchtweg darstellen soll.

 

Zum Schluss hatten wir noch die Aufgabe, einen persönlichen Brief zu verfassen. So mussten wir uns vorstellen, dass wir unsere Heimat verlassen mussten und in ein neues Land geflüchtet sind. Nun sollten wir einen Brief aus unserer neuen Heimat an eine Person verfassen, die uns fehlen würde.

 

Was dabei herausgekommen ist, könnt ihr unten an einem Beispiel sehen!



Brief aus der Fremde

Hallo Mama

 

Ich bin  gut auf einer kleinen Insel namens Chiasso angekommen. Die Insel ist zwar klein, jedoch sehr schön.

 

Der Weg hier her war sehr anstrengend und es war sehr kalt und regnerisch auf dem Boot und manchmal hat es so stark gewindet das ich dachte wir kommen nirgends mehr an. Ich hatte sehr Angst, dass wir es nicht schaffen werden.

 

Aber ich habe einfach an euch gedacht und für euch will ich das schaffen. Und ich werde es auch schaffen.

 

Ich bin so froh, dass es mir und den Kindern und Menschen die mit mir in einem Boot waren gut angekommen sind und uns nichts passiert ist.

 

Ich vermisse dich und meine Geschwister sehr und hoffe dass es euch gut geht. Hoffentlich schafft ihr es, mit einem der nächsten Boote, auch hier her zu kommen das wir hier ein neues Leben anfangen können ohne Krieg und Armut.

 

Hier ist alles sehr chaotisch und durcheinander aber ich werde mich zurecht finden. Die Helfer haben uns alle sehr freundlich und hilfsbereit aufgenommen. Sie haben uns etwas zu essen und frische Klamotten gegeben. Es ist zwar etwas schwer mich zu verständigen, da hier niemand Deutsch spricht, aber mit Händen und Füssen werde ich das schon irgendwie schaffen.

 

Ich und ein Mädchen, die ich auf dem Boot kennen gelernt habe die auch alleine ohne ihre Eltern aus der Schweiz hier ist, haben uns schon ein bisschen auf der Insel erkundet, und es ist sehr schön hier.

 

Hier ist es viel schöner als zuhause. Kein Krieg, Keine Armut und keine Menschen die einen behandeln als wäre man nichts. Am liebsten würde ich einfach hier bleiben aber meine Reise ist noch lange nicht zu Ende. Ich habe vor bis Spanien zu reisen und mir dort mein neues Leben aufzubauen.

 

Ich wünsche mir sehr, dass ihr auch hier sein könnt und zu sehen wie schön das Leben sein kann und wie die Mitmenschen sich um einen kümmern und auf einander achten.